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Die Völker Äthiopiens

Seit über 2000 Jahre trafen am Horn von Afrika die großen Kulturen Asiens und Afrikas aufeinander. Christen, Juden, der Islam und einheimischen Naturreligionen bildeten im Verlauf der Jahrhunderte eine einmalige Mischung des Brauchtums, der Traditionen und des Glaubens.
 
Auch die heutigen politischen Grenzen ähneln den alten Erzählungen in erstaunlicher Weise:
Somalia ist das von den alten Ägyptern als Punt bezeichnete Land. Das heutige Äthiopien und Djibouti entsprechen dem Land Kusch des Alten Testaments.

Als einer der wenigen afrikanischen Staaten wird Somalia von nur einer Volksgruppe, den Somali bewohnt. Äthiopiens Einwohner dagegen setzen sich aus einer Vielzahl von Rassen und Völkern zusammen und bieten daher eine einmalige Vielfalt an Kulturen und Traditionen.

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Die Bevölkerung Äthiopiens heute teilen Wissenschaftler in sechs Gruppen ein:

Die Amharen und die Tigre, die Oromo, die Somali , die Afar und die Bewohner Südwest-Äthiopiens (Niloten). Die Oromo, Tigre und Amharen bilden ca. 70 % der Bevölkerung, wobei die Oromo allein 40 % ausmachen, die Amharen 20 %. Es folgen dieTigre und alle weiteren Gruppen unter 10 %. Äthiopiens Einwohner sind sehr jung - ca. 60 % jünger als 15 Jahre.

Die Amharen und Tigre leben traditionell im Hochgebirge Nord-Äthiopiens, dem alten Kernland der äthiopisch-christlichen Hochkultur. Die Amharen galten als das Staatsvolk und regierten vom Hochplateau aus als harte Krieger und geschickte Diplomaten. Sie fallen auf durch ihre gelblich-braune, oft sehr helle Hautfarbe, großflächigen Gesichter und mandelförmigen leicht schräg stehenden Augen. Ihre Gestalt ist gedrungen.
Die schlanken, hoch gewachsenen Tigre leben in der gleichnamigen Provinz und im jetzt unabhängigen Eritrea. Schmale Gesichter, feine Nasen, hoch gewölbte Stirn und dunkelbraune bis schwarze Hautfarbe kennzeichnen sie. Die besondere Haartracht der Amharen und Tigre Frauen sind viele, eng am Kopf geflochtene Zöpfe, die zu den Schultern kraus auslaufen.

Die Oromo, früher von den Amharen (abfällig) Galla genannt, bilden die größte einzelne Volksgruppe mit einer gemeinsamen Sprache trotz der kulturellen Verschiedenheit der einzelnen Gruppen (Borana, Barentu, Arusi, Gudji). Ihre frühere soziale Klanstruktur der Viehzüchter, das Gada-System ( Generationsklassensystem siehe gesonderte Info) ist bei den inzwischen sesshaften Gruppen der Ackerbauer ganz verschwunden und nur teilweise bei den Borana, Gudji und Arsi erhalten.

Etwa drei Viertel der nomadischen Somali leben in Somalia, die anderen verteilen sich auf Djibouti, Nordkenia und den Südosten Äthiopiens. Verwandte Gruppen ziehen mit ihren Kamelherden durch die Savanne und Halbwüste, wobei die Frauen die Zelte aus Matten und Häuten auf- und abbauen und die Lastkamele beladen. Die Somali leben streng nach dem Islam. Blutrache bei den Männern und Infibulation der Frauen ist noch immer verbreitet.

Die kleinere nomadische Volksgruppe der schwarzhäutigen Afar oder Danakil lebt heute überwiegend in Dorfgemeinschaften in der Danakil-Senke. Die früheren Schrecken der Karawanen betreiben inzwischen Viehzucht und Salzhandel. Scharfe arabische Gesichtszüge, häufig Hakennasen und blutunterlaufene Augen unterscheiden sie von anderen Volksgruppen. Die Männer mit langen, fließenden Gewändern und oft rotgefärbten Bärten kennen noch die Blutrache, eine Feder im Haar deutet auf die Tötung eines Feindes hin. Die Danakil dürfen mehrere Frauen heiraten, wobei jede der Frauen ihr eigenes Zelt sowie Ziegen und Schafe hat.

Die Region am Unterlauf des Omo Flusses ist mit seiner Vielzahl der verschiedensten Völker auf so kleinem Raum einmalig in der Welt. Vermutlich war dieses Gebiet seit ewigen Zeiten eine Art Kreuzung für unterschiedlichste Kulturen, wo aus entfernten Regionen aller Himmelsrichtungen viele ethnische Gruppen – kushitisch, nilotisch, omotisch und semitisch - auf ihren Wanderungen aufeinander trafen. Die Völker des südlichen Omo Tals zählen heute zu den faszinierendsten ganz Afrikas.

Die meisten Völker führen ein für uns unvorstellbares archaisches Leben und sind noch tief in ihren Traditionen und Riten verwurzelt sowie mit ihrer Umgebung und dem Kreislauf der Natur eng verbunden. So verschieden die Stämme, so unterschiedlich sind ihre Lebensformen. Es gibt sicher nur noch wenige Flecken auf der Erde, in denen die Menschen so weit in der Vergangenheit leben. Was für uns ein Leben im Einklang mit der Natur und Harmonie mit der Umwelt aussieht, ist in Wirklichkeit ein ständiger Kampf um die durch Abholzung und Erosion gefährdeten Flächen zwischen Ackerbauern und Nomaden mit ihren Viehherden.

Die Völker unterscheiden sich durch ihre Sprachen, aber auch im Hausbau, in der Kleidung und bestimmten alten Zeremonien, Riten und Symbolen.

Einige dieser Völker umfassen nur wenige tausend Menschen. Häufig haben sie ein Gruppensystem, das dem Gada-System der Oromo ähnelt, Priester oder Ritualspezialisten genießen aber erbliche Funktionen zu vergleichen mit den sakralen Königen der Reiche im südwestlichen Hochland.

Die Bedeutung der Tötung von ganz bestimmten Grosstieren (Löwe, Elefant, Nashorn, Wildstier, Nilpferd) und auch früher von Menschen ist ein in ganz Südäthiopien verbreitetes Phänomen. Durch die Tötung und die parallel dazu zu sehende Zeugung von Nachkommen erwirbt ein Mann Verdienste, die er durch Abzeichen zeigen darf und die ihm Ansehen verleihen. (ein besonderer Haartuff, der phallische Stirnschmuck, Armreifen, Tätowierungen) Dieser Erwerb von Würden ist streng zeremoniell reguliert, an bestimmte Generationsklassen gebunden und mit Sühneopfern verbunden. Tötung und Zeugung stehen in untrennbarer Beziehung zum zyklischen Ablauf dieser Weltanschauung.

Der Phallus als Symbol für die Tötung eines Feindes (u.a. Konso: dessen Phallus dann abgeschnitten wird), als Stirnschmuck (kalatscha) und auch zum Schmuck der Häuser ist in Südäthiopien weit verbreitet. So werden z.B. neben dem Töter am Grab auch weitere Figuren seiner (phalluslosen) Opfer und seiner Frauen aufgestellt.

Schmucknarben sind bei fast allen Völkern am unteren Omo beliebt. Sie drücken im Gegensatz zur Körperbemalung vielerlei symbolische Botschaften aus. So zeigen die tiefen, halbmondförmigen Schnitte in den Armen der Mursi die Zahl der Feinde, die sie im Kampf getötet haben.

Körpermalerei: Surma und Karo zeichnen mit Lehm und natürlichen Farbstoffen fantastische Muster auf Gesicht, Brust, Arme und Beine. Diese Verschönerungen sollen keinen symbolischen Charakter haben.

Haartrachten sind of kunstvoll eine weitere Form des Körperschmucks. Hamer Frauen drehen ihr Haar mit Schlamm und geklärter Butter zu dichten Korkenzieherlöckchen und krönen sie mit einem schimmernden, ovalen Aluminiumschild vor der Stirn.
Galeb und Karo Männer formen mit Tonerde ihr Haar zu ausgefallenen Kappen in Ockerfarbe, die mit Straußenfedern am Hinterkopf verziert werden.

Tellerlippen und Ohrpflöcke: Ohrläppchen werden oft mit Scheiben aus Holz oder Lehm geschmückt. Mursi und Surma Frauen spalten ihre Unterlippe und dehnen sie langsam mit immer größer werdenden Tonscheiben. Heute ein Zeichen der Schönheit: je größer der Teller so begehrenswerter die Trägerin. Früher vermutlich als Schutz der schönen Frauen vor Versklavung und Verschleppung durch andere Völker.

Schmuck: Farbenfrohe Halsketten, dicke Armreifen und Armbänder aus Metall, glänzende Nieten an den Röcken ineinander verschlungene Ohrringe.

Traditionelle Zeremonien:

Mursi und Surma Männer: Junge Männer führen einen rituellen Stockkampf auf.
Hamer Männer: Initiationsritual (Kind > Mann) über die Bullen springen.

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